Stilgeschichte

Wuchtige Barockformen, heiteres Rokoko und eleganter, kühler Klassizismus prägen das Äußere und das Innere des Neuen Schlosses in Meersburg.

Seefront

Barock

Das Neue Schloss auf dem schmalen Bergrücken Meersburgs konnte aufgrund der Topographie nicht wie ein idealer barocker Palast sein Umfeld architektonisch auf sich beziehen. Der Baumeister folgt jedoch den Prinzipien der monumentalen barocken Palastarchitektur: Er gliedert den Baukörper durch Mittel- und Seitenrisalite (vor den Hauptbaukörper tretende Gebäudeteile) und lässt die Pilasterordnung (flach aus der Wand heraustretende Pfeiler, meist wie eine Säule unterteilt) an der Seefront massiger hervortreten. Dadurch wird diese als Hauptfassade ausgezeichnet. Solche deutlichen Abstufungen in der Bedeutung bestimmen das barocke Bauen.

Deckenfresko (Treppenhaus)

Die Bauherren des Barock suchten sich auch in ideellen Portraits verewigen zu lassen. Im Deckenfresko des Treppenhauses, einem „barocken Himmel“, nimmt das Bildnis des Fürstbischofs Franz Konrad von Rodt eine zentrale Stellung ein. Die Tugendhaftigkeit des Amtsinhabers und seine kluge Amtsführung, die dauerhaften Wohlstand verspreche, werden mithilfe allegorischer Gestalten propagiert.

Stuckatur

Rokoko

Im Rokoko liebte man es, die Oberflächen der Gegenstände, ja die Grenzen des Raumes in Ornamente aufzulösen. Besonders geeignet für solche Spielereien war die Ausstattung mit Stuckplastik. Auch im Neuen Schloss finden sich Meisterwerke der Stuckatur: Carlo Pozzi gestaltete elegante, filigrane Reliefs, die u.a. neben Genrebildern (alltägliche Darstellungen) höfische Galanterie-Szenen zeigen.

Auch die Kartuschen (schildartige Flächen, Ornamentformen, von reich dekorierten Rahmen umgeben) zeigen Pozzi als einen Vertreter des späten Rokoko: die Kontur wird in reich bewegte einzelne kleine Schwünge, Rocaillen, Muschelbruchstücke und C- und S-Schwünge aufgelöst.

Klassizismus:

Im Klassizismus werden die asymmetrisch bewegten Rokokoformen gebändigt, Gradlinigkeit und Klarheit werden angestrebt.
Die Formensprache im Festsaal und den seeseitigen Räumen des 2. Obergeschosses kündigt den Beginn des Klassizismus an. Girlanden oder auch stuckierte römische Caesarenprofile verweisen auf die Orientierung an klassisch-antiken Formen. In den eichenen Wandvertäfelungen von Pierre Michel d’Ixnard werden die spielerischen Konturen des Rokoko durch gemäßigte, vergoldete Ornamente und strenge Rahmungen ersetzt. 

 

 

 

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Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook