Neues Schloss Meersburg, linker Seitenrisalit der Gartenfassade

Gardinenpredigt für einen Untergebenen

Ein „Mohr“ am Hof

Ein „Kammermohr“, ein Diener dunkler Hautfarbe, war ein exotisches Statussymbol. Er sollte den Reichtum seiner Herrschaft zur Schau stellen. Auch Fürstbischof Maximilian Christoph von Rodt hatte einen solchen Diener – aber was geschah mit ihm nach dem Tod seines Herrn?

Stadtseite des Neuen Schlosses Meersburg, Stuckdetail im Neuen Schloss

In Schloss Meersburg arbeitete James als Lakai.

Ein ehemaliger Sklave als Kammerdiener?

In alten Dokumenten der fürstbischöflichen Kanzlei taucht ein „Kammermohr“ namens James auf. Sollte dieser Kammermohr ein über britische Stationen nach Meersburg geholter ehemaliger Sklave aus afrikanischen Landen sein? Wahrscheinlich ist er identisch mit dem Lakaien Adam James, der sich fast 25 Jahre später, im März 1800, mit einer Bittschrift an den neuernannten Fürstbischof Carl Theodor von Dalberg wendet.

Statthalter empfängt Gesandte im Schloss Meersburg, Detail aus einer Supraporte im Neuen Schloss Meersburg, Öl auf Leinwand, Anfang 18. Jahrhundert

Ein „Mohr“ gelangt ins Bild - nicht unüblich.

Der Diener wird arbeitslos

James berichtet, dass er, nun schon über 40 Jahre alt, nach dem Tod des Fürstbischofs Maximilian Christoph von Rodt kein Auskommen mehr habe. Wie eine Erbschaft sei er an den jetzigen Fürstbischof gefallen. Da er über keine finanziellen Mittel verfüge, habe er inzwischen auch keine Hoffnung mehr, sein so weit entferntes liebes Vaterland je wiederzusehen.

Bildnis des Fürstbischofs Carl Theodor von Dalberg, Öl auf Leinwand, 1803, heute im Meersburger Rathaus

Carl Theodor bestimmte über den „Mohren“.

Ernste Ermahnungen an einen Pensionär

Fürstbischof von Dalberg ordnet an, den „Mohr“ bis auf Weiteres wie einen Lakaien zu besolden und ihm eine Wohnung in Meersburg zu verschaffen. Andererseits sei ihm aber „schärfstens einzubüchsen, dass derselbe nicht mehr, wie es bishero geschehen, die Schenk- und Würthshäuser besuchen, sondern sich eines mehr nüchternen Lebens befleissigen, am wenigsten aber (ent) weder auf Conto seiner Gnaden oder dero Höchstderselben untergeordneter Hofcammer bei Wirthen, Handwerkern, Handels- oder Privatleuten etwas ausborgen oder andere Schulden contrahieren solle“.

Die Spur verliert sich

Eine spätere Einwohnerliste von Meersburg führt den „Mohren“ Ischannes (James?) Adam Africanus als Bewohner des Alten Schlosses auf. Nach dem Eintrag zu schließen, hat er dort bis 1817 gelebt.

Altes Schloss und Neues Schloss Meersburg von der Seeseite, aquarellierter Kupferstich von Heinrich Bleuler um 1800

Das Schloss zu Zeiten des „Mohren“.

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