Bischöfliche Barockresidenz am Ufer des Bodensees

Neues Schloss Meersburg

Genialer Stuckateur

Carlo Luca Pozzi

Durch den meisterhaften Stuckateur Carlo Luca Pozzi (1734–1812) aus dem Tessin bekam die Residenz der Fürstbischöfe ihre besondere Note: Das Schloss wurde schon damals für seine außergewöhnliche und amüsante Stuckausstattung bekannt.

Frontansicht von Schloss Mannheim, Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Andrea Rachele

In Mannheim wurde Carlos Bruder Hofstuckateur.

Woher kam Carlo Luca Pozzi?

Carlo Luca Pozzi wurde 1734 als zweiter Sohn des Stuckateurs Francesco Pozzi in Castello San Pietro im Tessin geboren. Zusammen mit seinem älteren Bruder Giuseppe Antonio Pozzi erlernte er bei seinem Vater Francesco das Stuckateurhandwerk und arbeitete zunächst in dessen Werkstatt. Ende der 1750er-Jahre begaben sich beide Brüder auf Wanderschaft nach Deutschland. Carlo Luca Pozzi kam nach Meersburg, sein Bruder Giuseppe wurde 1766 Hofstuckateur am kurpfälzischen Hof in Mannheim.

Vorzimmer im Neuen Schloss Meersburg, mit vertäfelter Fensterwand und Stuckdecke von Carlo Luca Pozzi, Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Pozzis kunstvolle Stuckdecke im Vorzimmer.

Welches Werk schuf Pozzi in Meersburg?

1760 begann Pozzi seine Ausgestaltung des bezugsfertigen Neuen Schlosses. Zwanzig Jahre zuvor war bereits sein Vater an den Bauarbeiten beteiligt gewesen. Carlo Luca schuf nun – als krönenden Abschluss – originelle Stuckreliefs im Festsaal, im Treppenhaus und in den Räumen der Appartements. Der Meersburger Stuck war amüsant – und unterschied sich dadurch von der Ausstattung in anderen Schlössern. Im Vergleich zu den Schlossräumen fiel sein Stuck an der Orgelempore in der Schlosskirche recht seriös aus.

Das Element Luft – verkörpert durch zwei Amoretten.

„Sapientia“ mit Schlange und Spiegel, Spätrokokostuckaturen im Kapellenzimmer des Neuen Schlosses Meersburg von Carlo Pozzi 1760/62, Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Plastisch, lebendig, fantasievoll: die Weisheit.

Wie sah sein Stuck aus?

In reicher Fülle gibt es Allegorien und Personifikationen: Tugenden und Tageszeiten, Wappen und Würdezeichen, die vier Elemente; dazu zarte Verzierungen, in die Szenen des höfischen Lebens wie das Tafeldecken und das Billardspiel eingebettet sind, angedeutete Landschaften, die Ansichten beider Meersburger Schlösser und zahlreiche Jagddarstellungen. Das Besondere an den Stuckbildern: Sie sind plastisch, lebendig und fantasievoll – zum Beispiel ein pustender Putto als Verkörperung des Elements „Luft“.

Wo arbeitete Pozzi noch?

Neben Bauwerken in der Bodensee-Region, in der Nordschweiz und in Belgien schmückte Pozzi Gebäude in Genua, in der Lombardei und im Tessin. 1773 erarbeitete er zehn der zwölf Karyatiden – Frauenskulpturen als tragende Säulen – der Ludwigskirche in Saarbrücken. Er schuf 1789 die Engelsglorie im Chor der St.-Ursen-Kathedrale in Solothurn und 1789 bis 1794 die Stuckaturen in der Villa Olmo in Como.

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